Josef Redlich (1869-1936)

Der letzte k u. k Finanzminister Josef Redlich war nicht nur ein herausragender Jurist, sondern er schrieb selbst im wahrsten Sinn des Wortes Geschichte. Redlich war Akteur, Zeitzeuge und Historiker in einer Person. 

Forschungsvorhaben

Der letzte k. u. k. Finanzminister Josef Redlich war nicht nur ein herausragender Jurist, sondern er schrieb selbst im wahrsten Sinn des Wortes Geschichte. Redlich war Akteur, Zeitzeuge und Historiker in einer Person. Geboren in einer jüdischen Familie am 18. Juni 1869 in Göding (Mähren, heute Hodonín, Tschechische Republik)), konvertierte er als Erwachsener zum Protestantismus. Der Vater, Adolf Redlich war ein Landwirt, Mühlen- und Ziegeleibesitzer, seine Mutter Rosa Fanto entstammte einer bekannten Unternehmerfamilie. Seine Geschwister starben alle relativ früh: Terese (37 Jahren), Martha (16 Jahre) und Fritz, der mit 53 verschied und auch Bürgermeister der Stadt Göding war. Fritz Redlich verstand es aus der Wirtschaft des Vaters eine Industrie aufzubauen. Einzig Josef Redlichs Schwester Irene, die den Textilindustriellen Paul Hellmann heiratete, wurde immerhin 62 Jahre alt.[1]

1878 übersiedelte Redlich nach Wien, wo er das Gymnasium beendete.[2] Nach einem Studium der Rechtswissenschaften in Wien, Leipzig und Tübingen[3] folgten zunächst einige Studienaufenthalte in England. Ein Ausfluss dieser Reisen waren zahlreiche wissenschaftliche Werke, darunter die „Englische Lokalverwaltung“ – bis heute ein Klassiker in Großbritannien. Der Weg zur wissenschaftlichen Anerkennung in Wien erwies sich als besonders steinig; ­ein Phänomen, worunter viele renommierte Juristen jüdischer Herkunft in Wien ebenfalls litten.[4] Doch schließlich gelang der Durchbruch an der Universität Wien: 1901 habilitierte Redlich und 1907 folgte die Ernennung zum Professor für Staatsrecht und Verwaltungslehre. Im Jahr 1909 erhielt Redlich an der Technischen Hochschule Wien die Professur für Verfassungs- und Verwaltungsrecht.[5] Dort lehrte er bis 1918. Seit 1910 unternahm Redlich wiederholt Vortragreisen nach England und in die USA. Am Ende wurde er sogar Professor an der Harvard University (Cambridge, Massachusetts, USA), wo er von 1926 bis 1935 als Spezialist für „Common Law“ lehrte. Redlich war zeit seines Lebens wissenschaftlich wie politisch tätig: So engagierte er sich schon früh im sozialpolitisch orientierten Wiener „Fabier Kreis“. Es waren jedoch seine Tätigkeiten im „Verein für Sozialpolitik“, die schließlich den Anstoß gaben, in die Politik zu gehen.[6]

1906 wurde Redlich in den mährischen Landtag gewählt, und ab 1907 saß er bereits im Reichsrat, und zwar bis zum Ende der Monarchie (11. 11. 1918). Als Experte für Verwaltungs- und Finanzfragen konnte sich Redlich am Ballhausplatz einen Namen machen. Er nahm auch an den Ausgleichsverhandlungen zwischen Österreich und Ungarn teil. Daneben folgten politische Reisen, darunter in das annektierte Bosnien, nach Serbien und nach Preußen. Auch in Fragen des Ausgleichs mit Böhmen war Redlich ein gefragter Mann.[7] Im Kabinett Lammasch war er, wenn auch nur für kurze Zeit, der letzte Finanzminister der Donaumonarchie.[8]

Der Erste Weltkrieg hinterließ bei Redlich tiefe Spuren. Er entwickelte sich zu einem Verfechter von Pazifismus und Völkerverständigung; damit war die endgültige Entfremdung zu den Deutschnationalen programmiert. Redlichs neunjährige Lehrtätigkeit an der Harvard University wurde nur von zwei einschneidenden Ereignissen unterbrochen: seiner Kandidatur als österreichischer Ersatzrichter am Internationalen Gerichtshof in Den Haag (1929) sowie seiner neuerliche Berufung zum Finanzminister im Kabinett Buresch (Juni bis Oktober 1931). Danach war er politisch kaltgestellt, doch wissenschaftlich war Redlich rastloser denn je. Er verfasste noch zwei Bände über „Das österreichische Staats- und Reichsproblem“, schrieb eine Biografie über Kaiser Franz Joseph und beendete das für die Carnegie Foundation geschriebene Werk „Österreichische Regierung und Verwaltung im Weltkriege“.[9] 1935 kehrte Redlich krank nach Österreich zurück, wo er ein Jahr später am 11. 11. 1936 starb. Noch ein Jahr davor konvertierte er zum Katholizismus[10]. Josef Redlich war insgesamt zweimal verheiratet. Von seiner ersten Frau Alix (geb. Simon) bekam er einen Sohn, Hans Ferdinand, aus dem ein erfolgreicher Musiker wurde. Nach der Scheidung heiratete Redlich später seine zweite Frau, Gertrud (geb. Flaschar), die ihm zwei Töchter schenkte, Eleonore und Rosemarie.[11] Seine Arbeiten zum englischen Staats- und Verwaltungsrecht und zur Geschichte Österreichs wurden vielfach übersetzt. Seine politischen Tagebücher sowie seine sehr umfangreiche Korrespondenz bleiben bedeutsame Quellen der österreichischen Staats- und Kulturgeschichte[12]

 ZIELSETZUNG UND GEGENSTAND 


Josef Redlich war eine Persönlichkeit voller Widersprüche. Mein Interesse an dieser Monografie konzentriert sich auf bestimmte Persönlichkeitsmerkmale Redlichs, die sein Selbstbild ausmachten. Seine Tagebücher enthalten wertvolle Zeugnisse historischer Debatten zum Thema Identität. Letzteres gilt vielen vor allem in Krisenzeiten als Selbstversicherung und Zugehörigkeitsüberprüfung. So ist die Identitätsforschung auch als eine wissenschaftliche Reaktion auf die für Menschen krisenhaften Umbrüche der Moderne zu verstehen.[13] Josef Redlichs Entwicklung reflektiert die gesellschaftspolitischen Veränderungen seiner Zeit. Da weder eine chronologische Vita noch persönliche Tagebucheintragungen allein für sich selbst sprechen können, muss bei Redlichs Selbstzeugnissen das zwanzigste Jahrhundert kulturhistorisch „mitgedacht“ werden. Darin liegt ein wesentliches Forschungsdesiderat in der Beurteilung seiner Tagebücher. Die unbefriedigende Forschungslage zeigt sich insbesondere in jenen Fragen, die den Schwerpunkt dieser Arbeit ausmachen: Redlichs ambivalentes Verhältnis zum Judentum, die Motive seiner Konversion zum Protestantismus und seine politische Identität. Diese biografische Arbeit will einen Beitrag zur Erforschung der Identitätskonstruktionen unterm Doppeladler leisten. Wo lassen sich Redlichs antisemitische Stereotypisierungen im Kontext der damaligen gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen verorten?

Die erste Forschungsfrage führt in einen Bereich, der bis heute nicht geklärt ist. Die Historikerin Jana Osterkamp stellte in ihrer Rezension zu den herausgebrachten Tagebüchern richtig fest, dass die Etikettierung Redlichs als „antisemitischer Jude“ (Hans Peter Hye) zu kurz greift. Tatsächlich hat Redlich sich auch oft positiv über das Judentum und die Juden geäußert.[14] Allerdings bleibt eine alleinige Gegenüberstellung von positiven und negativen Äußerungen unbefriedigend. Hier fehlt der kulturhistorische Kontext, dem hier nachgegangen werden soll. Ist Redlichs antisemitische Polemik vom gleichen Schlag eines Karl Marx[15] oder Otto Weiniger[16] im Sinne einer hasserfüllten Verleugnung der eigenen Wurzeln zu verstehen oder war es ein fehlgeleitetes Bemühen im Ringen um gesellschaftliche Anerkennung?

Ein Kern jüdischer Akkulturationsbemühungen war oftmals die Konversion zum Christentum. Redlichs Erwachsenentaufe war damals keineswegs eine Seltenheit. Tatsächlich traten allein in Wien zwischen 1782 und 1914 an die 6000 Juden zum Protestantismus über – Übertritte in andere christliche Kirchen nicht miteingerechnet.[17] Die dahinterliegenden Motive waren unterschiedlich stark ausgeprägt. Der Bogen spannt sich von tiefgehenden theologischen Auseinandersetzungen wie bei Franz Rosenzweig[18] bis zu pragmatischen Überlegungen als Mittel gegen berufliche Diskriminierung. Redlichs Tagebücher enthalten zahlreiche Hinweise, dass ihm das Thema Religion nicht fremd war.[19] Der zweite Forschungsschwerpunkt geht den Motiven seiner Konversion nach: Inwieweit spiegeln sich seine Reflexionen im seinerzeitigen innerjüdischen Diskurs zwischen Akkulturation und Emanzipation wider? Redlichs zweites Standbein neben der Politik war die Forschung. Doch er brauchte auffallend lange, bis ihm die gebührende akademische Anerkennung zuerkannt wurde. Redlich stand damit in einer Reihe anderer Forscher, die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft an der Universität Wien systematisch diskriminiert wurden.[20] Ob seine Konversion für den späteren beruflichen Durchbruch mitverantwortlich war, bleibt noch zu beantworten. Redlich selbst hatte große Schwierigkeiten, hier einen Zusammenhang zu sehen.[21]

Die dritte Forschungsfrage hinterfragt Redlichs politische Identität im Lichte des zunehmenden Antisemitismus. Dieser fand sich zwar bei allen Parteien, doch der völkische Antisemitismus war ein Markenzeichen deutschnationaler Kreise. Lassen sich Redlichs antisemitische Stereotype politisch verorten? Spiegelten sie die typischen Narrative der völkisch orientierten Deutschnationalen wider oder waren sie in ihrer Rhetorik mehr den Christlichsozialen zuzuordnen? Als Mitglied der Deutschnationalen Partei (DnP) war Redlich gleich in zweifacher Hinsicht eine absolute Rarität. Das österreichische Parlament listet 82 Abgeordnete mit jüdischen Wurzeln auf, die zwischen 1861 und 1933 politisch aktiv waren. [22] Eva Kreisky identifizierte in ihrem Projekt „Judentum und Antisemitismus im österreichischen Parlament“ sogar 88 jüdische Vertreter – eine Minderheit im Vergleich zu den rund 2000 Abgeordneten, die es in dieser Periode gegeben hatte.[23] Von diesen vom österreichischen Parlament aufgelisteten 82 Abgeordneten können nur weitere drei dem deutschnationalen Lager zugerechnet werden (Kamill Kuranda, Julius Ofner und Stefan, Edler von Licht). Die restlichen Abgeordneten mit jüdischen Wurzeln waren fast ausschließlich bei den Sozialdemokraten und (Alt-)Liberalen.[24]
Redlichs Haltung zum Thema Antisemitismus bleibt rätselhaft. Einerseits duldete er keine antisemitischen Pöbeleien, andererseits schreckte er selbst vor dem Gebrauch antisemitischer Stereotypisierungen nicht zurück.[25] Zwar kämpfte Redlich gegen den Antisemitismus der Deutschradikalen, aber gleichzeitig bewunderte er den offen antisemitischen Wiener Bürgermeister Karl Lueger. „Juden“ blieben für Redlich immer die anderen, wie die Historikerin Jana Osterkamp konstatierte.[26] All diese Facetten Redlichs lassen sich nicht unter dem Titel „gemäßigter Deutschnationaler“ zusammenfassen. Zu groß sind die Trennlinien zwischen seiner Selbst- und der Fremdwahrnehmung. Auch der endgültige Bruch mit dem deutschnationalen Lager sowie seine Affinität mit dem angloamerikanischen Kulturkreis passen nicht in das Bild eines typischen Rechtskonservativen. Redlichs innere Welt war oft im Widerspruch zu seiner Zeit.

DER FORSCHUNGSSTAND

Die derzeitige, recht überschaubare Sekundärliteratur zu Redlich lässt sich in vier zentrale Bereiche kategorisieren: Die erste Rezeption fußt auf den umfangreichen Tagebüchern Redlichs. Diese waren ursprünglich nie als eine „autobiografische Alternative“ gedacht gewesen. Fritz Fellner hatte die politischen Teile der Tagebücher erstmals 1953 (Bd. 1)[27] und 1954[28] (Bd. 2) herausgegeben. In der Neuedition von 2011 wurden zusätzlich die persönlichen Lebens-erinnerungen Redlichs mitberücksichtigt.[29]Damit entstand ein Konvolut aus unterschiedlichen Quellen: Erinnerungen, Tagebucheinträge, Briefe und Auszüge aus Redlichs wissenschaftlicher Kladde. Das dreibändige Werk spiegelt den gesellschaftlichen, politischen und persönlichen Mikrokosmos des Autors wider und enthält zahlreiche zeitgenössische Querverweise. Die Zahl von Redlichs Tagebucheintragungen nahm ab 1926 rasant ab. So verharren die letzten zehn Jahre noch im Dunklen, obwohl diese Zeitspanne große Veränderungen in sich birgt.

Die zweite Rezeption befasst sich mit den bisher veröffentlichten Briefen. Darunter sind die 60 von Helga Ebner-Fußgänger herausgegebenen Briefe zwischen Redlich und dem Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal[30]. Eine weitere wichtige Quelle bildet die von Werner Volke veröffentlichte Korrespondenz zwischen Irene Hellmann (geb. Redlich, seine Schwester) und ihrem Ehemann Paul Hellmann.[31] Leider kann die bisher veröffentlichte Korrespondenz die biografische Lücke nach 1926 kaum erhellen. Weitere Veröffentlichungen aus Redlichs umfangreicher Korrespondenz umfassen noch dessen Briefverkehr mit dem Schriftsteller Hermann Bahr (ca. 300 Briefe)[32], mit dem österreichischen Diplomaten Leopold von Andrian[33], mit dem Bundeskanzler Johannes Schober[34] und mit dem Grafen Monts[35]. Dennoch bleiben nach wie vor an die 2000 Briefe unveröffentlicht – eine unverzichtbare Quelle für zukünftige umfassende Biografien.[36]

Die dritte Rezeption befasst sich mit Redlichs Jahren von 1926 bis 1935, als er noch an der Harvard University lehrte. Der einzige Beitrag zu dieser wichtigen Phase, die von großer intellektueller Schaffenskraft geprägt war, stammt von Doris A. Corradinis Artikel „Between Scholarship and Politics: Josef Redlich and the United States of America“[37]. Als frühe Beispiele für Redlichs Kontakt mit dem angloamerikanischen Raum sind noch zwei Werke zu erwähnen. Zuerst Fritz Fellners Aufsatz „Der Plan einer Vortragsmission Redlich-Apponyi“[38], der Redlichs erste politische Mission thematisiert. In Verbindung mit den USA ging es um eine österreichisch-ungarische Propagandaaktion während des Ersten Weltkriegs. Eine weitere Mission, in der Redlich maßgeblich mitwirkte, war jene um die sogenannte Meinlgruppe unter der Patronage des gleichnamigen Industriellen Julius Meinl. Benedikt Heinrich[39] beschreibt in seinem Werk, wie diese Friedensmission (Meinl, Redlich, Lammasch und Förster) 1917 in die Schweiz ging, um mit Professor Herron, einem Vertrauten des US-Präsidenten Woodrow Wilson, Sondierungsgespräche für einen möglichen Frieden zu führen.

Die vierte Rezeption reflektiert über Redlichs politische Bedeutung im Kontext seiner Zeit. Führend in diesem Diskurs sind Fredrik Lindström[40] und Amy Ng[41], die sich mit seinen Re­-form­­ideen auseinandergesetzt hatten. Lindström beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Auffassungen zur Rolle des Staates in der Endphase der Doppelmonarchie. Als Anschauungsmaterial verwendet der Autor verschiedene „Doppelbiografien“ prominenter Politiker und Intellektueller. Ein Paar davon bilden Josef Redlich und Karl Renner, deren divergierende politische Staatsauffassungen er auf knapp 80 Seiten gegenüberstellt. Während Lindström mehr eine politische Analyse durch Zeitzeugen erarbeitet hat, thematisiert Amy Ng in ihrem Werk die politische Konfrontation zwischen Nationalismus und Liberalismus. Letzteres erfolgt aus der Sicht zweier prominenter Historiker, nämlich Josef Redlich und Lewis Namier. Beide gingen der Frage nach, warum im Vereinigten Königreich sich allmählich ein politischer Liberalismus entfalten konnte, während Kontinentaleuropa trotz Überwindung des Absolutismus dieser Prozess versagt blieb. Eine Ergänzung liefert Hans Peter Hyes Artikel „Josef Redlich – ein österreichischer Historiker aus den böhmischen Ländern“.[42] Das Werk von Diethild Harrington-Müller[43] beleuchtet dagegen Redlichs erste politische Erfahrungen als deutschnationaler Politiker.

Zuletzt sind noch zwei Publikationen zu erwähnen, die sich ebenfalls mit Redlich, wenn auch nur marginal, beschäftigen: Die Dissertation von Brigitte Pakes[44], die die Juridische Fakultät der Universität Wien zwischen 1918 und 1938 thematisiert, und eine kürzlich geschriebene Familienchronik von Susanne Schober-Bendixen, die sich eingehend mit einem Zweig der Familie Redlich befasst hat.[45] Unter den vielen lexikalen Kurzbiografien über Redlich ist vor allem jenes von Georg Gaugusch zu erwähnen.[46]

Methoden
 
Als Josef Redlich Anfang der 1930er-Jahre Teile seiner Tagebucheintragungen durch seine Sekretärin Maria Magdalena Weinmann maschinschriftlich festhalten ließ, schien er bereits den zeithistorischen Wert seiner Aufzeichnungen zu erahnen.[47] Von besonderem Interesse für eine wissenschaftliche Behandlung erscheinen mir Redlichs persönliche Auseinandersetzungen im kulturpolitischen Bereich. Seine Tagebücher zeigen dabei die ganze Dynamik, denen Identitäts-konstruktionen unter dem Eindruck historischer Umwälzungen unterliegen können.

Insofern ist die hier verfolgte Detailstudie eine Spielart der Mikrohistorie; sie analysiert die Verbindungslinien, die gleichsam „mikroskopisch“ nachgewiesen werden[48] – im vorliegenden Fall sind es die zahlreichen Schichten Redlichs kulturpolitischer Identität. Es wird in dieser Analyse aber kein Absolutheitsanspruch unternommen, denn „zur kritischen Selbstreflexion gehört das Bewusstsein des Konstruktionscharakters jeder Biografie und der notwendigen Eingeschränktheit der jeweiligen biografischen Perspektive“.[49] Daher darf der Biograf weder den Selbstbeschreibungen noch den Zuschreibungen durch Dritte oder etwaigen späteren Interpretationen des Sujets trauen. Biografische Studien sind stets nur „Annäherungen“, wobei der Wahrheitsbegriff bzw. die Wissenschaftlichkeit von der Plausibilität der Interpretation und der Zustimmungsfähigkeit der Begründungen abhängt.[50]

Die hier verfolgte Detailbiografie vereint gesellschaftspolitische Entwicklungen mit Redlichs persönlichen Aufzeichnungen, denn beide Ebenen bedingen einander. Es geht nicht „um die Aufspeicherung von individuellen Erfahrungsmaterialien, sondern um die Reflexion ihrer gesellschaftlich bedingten Möglichkeit. Wenn Kultur, mit Niklas Luhmann zu sprechen, ‚das Gedächtnis sozialer Systeme‘ darstellt, dann ist die Funktion von Autorschaft notwendig mit dieser Gedächtnisrolle unmittelbar verbunden“.[51] Die wesentliche Primärquelle dieser biografischen Arbeit sind die von Fritz Fellner und Doris A. Corradini herausgegebenen Tagebücher: Aus diesen Dokumenten wird dann der „Wirkungszusammenhang“ zwischen Redlichs Aufzeichnungen und ihrem zeithistorischen Kontext erforscht. Wilhelm Dilthey konstatiert dazu: „Schon in der Erinnerung des Individuums ist ihm dies Verhältnis gegeben: sein Lebenslauf, die Bedingungen desselben und seine Wirkungen. Wir haben da die Urzelle der Geschichte[52].

Die entscheidende Frage, die sich jede Biografie stellen muss, ist, wie „über die Partikularität des Einzelfalles hinaus und jenseits des Anspruchs auf Repräsentativität“ menschliches Handeln als strukturiertes und strukturierendes Tun dargestellt werden kann.[53] Katharina Prager hat in ihrem Werk über den Schriftsteller Berthold Viertel die Biografie mit der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung kombiniert. Letzteres erfolgte mittels biografischer Erinnerungs­orte, in der individuelle und kollektive Erinnerungen miteinander in Beziehung gesetzt wurden.[54] Die vorliegende Forschungsarbeit verfolgt methodisch einen anderen Weg: die Verknüpfung von Biografie und Diskursanalyse. Redlichs biografische Rückblenden werden mit dem zeithistorischen Diskurs zu den Themen Antisemitismus und Identitätspolitik in Beziehung gesetzt. Der Vergleich erfolgt durch eine Analyse seiner „Tagebücher“, die in der Neuedition eine Sammlung aus Tagebucheintragungen, Briefen Essays und Notizen sind. Diese unterschiedlichen Diskursfäden sichern methodisch jene Breitenstreuung historischen Materials, die zur Erforschung entsprechender Rede zusammenhänge nötig ist.[55] Vereinzelt können weitere Quellen hinzugezogen werden, falls dies sinnvoll erscheinen sollte – besonders im Hinblick auf Ereignisse, die in den Tagebüchern bewusst nicht erwähnt werden z.B. Redlichs Konvertierung zum Katholizismus kurz vor seinem Tod. Ganz im Sinne von Utz Maas sollen dabei die Texte als „Inskriptionen sozialer Praxis“ begriffen werden, d.h. als Ausdruck zeitgeschichtlicher Denkweisen, die es mittels Sprachanalyse zu rekonstruieren gilt. Die hiermit verfolgte ideologiekritische Diskursanalyse unterscheidet sich somit insofern von Michel Foucaults Ansatz, als die beabsichtigte beziehungsweise tatsächliche „Wirkung“ eines Textes nicht im Vordergrund steht.[56]

Ein ideologiekritischer Ansatz sieht Wirklichkeiten und vermeintliche Wahrheiten als historische Produkte an, beeinflusst durch politische, sozioökonomische, religiöse und kulturelle Faktoren.[57] Was zunächst selbsterklärend erscheint, hat tiefere Konsequenzen, denn die Historizität soziokultureller Wirklichkeiten ist nichts Naturgegebenes, sondern Teil der abendländischen Wirklichkeitsproduktion. Sich dem Zeitgeist Redlichs anzunähern heißt somit auch, eine „selbstreflexive Ethnologie des Abendlandes“ zu betreiben.[58] Die Gegen-Überstellung von individueller und kollektiver Erinnerung fördert oft unterschiedliche Wahrnehmungen zutage, haben doch Abstrakta wie Wirklichkeit, Wissen und Wahrheit – zumindest in den Geisteswissenschaften – nur einen scheinbar überzeitlichen Charakter.[59] Die besondere Herausforderung einer diskurshistorischen Analyse Redlichs liegt darin, diesen im Kontext seiner Zeit zu verorten, ohne der Versuchung zu verfallen, gegenwartsbezogene Schnellurteile zu fällen. Hier liegt die Stärke der historischen Diskursanalyse, indem sie das scheinbar Selbstverständliche kritisch hinterfragt. Pierre Bourdieu bringt es auf den Punkt: „Das Verborgenste ist das, worüber alle Welt sich einig ist, so einig, dass nicht einmal darüber gesprochen wird, ist das, was außer Frage steht, was selbstverständlich ist.“[60]

Hinter den kulturpolitischen Auseinandersetzungen im multiethnischen Habsburgerreich ging es meist um Machtfragen. Ihren stärksten Ausdruck fanden sie in der jeweils vorherrschenden Identitätspolitik. So wurde auch die Vergangenheit unterschiedlich interpretiert. Die konkurrierenden Narrative der Erinnerungskultur wurden selbst zu einem Machtfaktor, ungeachtet der Tatsache, dass die soziokulturelle Realität um einiges komplexer war. In der plurikulturellen Monarchie waren Identitäten oft mehrfach kodiert.[61] Josef Redlich bildet da keine Ausnahme; während er selbst Geschichte schrieb, im doppelten Sinn des Wortes, veränderte ihn die Geschichte. Es gibt keine historische Diskursanalyse, ohne dass der Forscher selbst Teil der Untersuchung ist. Dieser Umstand fordert daher immer einen selbstreflexiven Akt, die eigenen Positionen mit zu bedenken. Kein Forscher kann sich dem entziehen. Doch wie Achim Landwehr es treffend formulierte, ist es nicht die Aufgabe der historischen Diskursanalyse, „letztgültige Wahrheiten“ zu verkünden.[62]

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[1] Fritz Fellner, Doris A. Corradini (Hg.), Schicksalsjahre Österreichs. Die Erinnerungen und Tagebücher Josef Redlichs 1869-1914 (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 105, Bd. III/ Wien /Köln /Weimar 2011).
[2] Elisabeth Berger, „Redlich, Josef.“ In: Neue Deutsche Biographie 21 (München 2003), 246-247, hg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, online unter <https://www.deutsche-biographie.de/sfz104700.html> (25.01.2021).
[3] Jana Osterkamp, Rezension von: Fritz Fellner, Doris A. Corradini (Hg.), Schicksalsjahre Österreichs. Die Erinnerungen und Tagebücher Josef Redlichs 1869-1936 (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 105, Bde. I-III, Wien /Köln / Weimar 2011). In: Bohemia - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder, Bd. 53, H 2, (2013), 459-463, online unter < https://www.bohemia-online.de/index.php/bohemia/article/view/8399/12964> (25.01.2021). 
[4] Osterkamp, Rezension von: Fritz Fellner, Doris A. Corradini (Hg.), Schicksalsjahre Österreichs, online unter  <https://www.bohemia-online.de/index.php/bohemia/article/view/8399/12964> (25.01.2021).   
[5] Eva Obermayer-Marnach, Leo Santifaller, „Redlich, Josef“ (1869-1936), Jurist und Politiker. In: Österreichisches biographisches Lexikon 1815-1950 (im Folgenden zit. als ÖBL), Bd. 9, hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (22003), 10f.
[6] Berger, „Redlich, Josef“, HiKo Bd. 21, 246-247.
[7] Osterkamp, Rezension von: Fritz Fellner, Doris A. Corradini (Hg.), Schicksalsjahre Österreichs, online unter < https://www.bohemia-online.de/index.php/bohemia/article/view/8399/12964> (25.01.2021).   
[8] Obermayer-Marnach, Santifaller, „Redlich, Josef“, ÖBL, Bd. 9, 10f.
[9] Osterkamp, Rezension von: Fritz Fellner, Doris A. Corradini (Hg.), Schicksalsjahre Österreichs, online unter < https://www.bohemia-online.de/index.php/bohemia/article/view/8399/12964> (25.01.2021).   
[10] Dr. Josef Redlich. In: Republik Österreich, Parlament, wer ist wer, Parlamentarier 1848 – 1918, online unter (25.02.2021).
[11] Fritz Fellner, Doris A. Corradini (Hg.), Schicksalsjahre Österreichs. Die Erinnerungen und Tagebücher Josef Redlichs 1869-1914 (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 105, Bd. III/ Wien /Köln /Weimar 2011).
[12] Obermayer-Marnach, Santifaller, „Redlich, Josef“, ÖBL, Bd. 9, 10f.
[13] Benjamin Jörissen, Jörg Zirfas, Schlüsselwerke der Identitätsforschung (Wiesbaden 2010).
[14] Osterkamp, Rezension von: Fritz Fellner, Doris A. Corradini (Hg.), Schicksalsjahre Österreichs, online unter < https://www.bohemia-online.de/index.php/bohemia/article/view/8399/12964> (25.01.2021).   
[15] Thomas Haury, Antisemitismus in Karl Marx’ Frühschrift „Zur Judenfrage“? In: Helmut Lethen, Falko Schmieder, Birte Löschenkohl (Hg.), Der sich selbst entfremdete und wiedergefundene Marx (Paderborn 2010).
[16] Jacques LeRider, Der Fall Otto Weininger: Wurzeln des Antifeminismus und des Antisemitismus (überarb. und erw. dt. Ausg. Wien 1985) (Original: Le cas Otto Weininger: Racines de l'antiféminisme et de l'antisémitisme, Perspectives critiques, 1982).
[17] Anna L. Staudacher, Jüdisch-protestantische Konvertiten in Wien 1782-1914 (Frankfurt am Main/ Berlin/ Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Wien 2004).
[18] Mark Lilla, Der Glanz der Vergangenheit: Über den Geist der Reaktion (Zürich 2018) (Original: The Shipwrecked Mind: On Political Reaction 2016).
[19] Fritz Fellner, Doris A. Corradini (Hg.), Schicksalsjahre Österreichs. Die Erinnerungen und Tagebücher Josef Redlichs 1869-1914 (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 105, Bd. I /Wien /Köln /Weimar 2011).
[20] Oliver Rathkolb (Hg.), Der lange Schatten des Antisemitismus: Kritische Auseinandersetzungen mit der Geschichte der Universität Wien im 19. und 20. Jahrhundert. In: Zeitgeschichte im Kontext, Bd. 8 (Göttingen 2013).
[21] Fritz Fellner, Doris A. Corradini (Hg.), Schicksalsjahre Österreichs. Die Erinnerungen und Tagebücher Josef Redlichs 1915-1936 (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 105, Bd. II /Wien /Köln /Weimar 2011).
[22] Dr. Josef Redlich. In: Republik Österreich, Parlament, wer ist wer, Biografie von Dr. Josef Redlich, online unter <https://www.parlament.gv.at/WWER/PAD_01560/index.shtml> (26.01.2021).
[23] Jüdische Abgeordnete in Österreichs Parlamenten. In: Science ORF, Politologie, online unter <https://sciencev2.orf.at/stories/1674398/index.html> (26.01.2021).
[24] Dr. Josef Redlich. In: Republik Österreich, Parlament, online unter <https://www.parlament.gv.at/WWER/PAD_01560/index.shtml> (26.01.2021).
[25] Fritz Fellner, Doris A. Corradini (Hg.), Schicksalsjahre Österreichs. Die Erinnerungen und Tagebücher Josef Redlichs 1869-1936 (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 105, Bde. I-III, Wien /Köln / Weimar 2011).
[26] Osterkamp, Rezension von: Fritz Fellner, Doris A. Corradini (Hg.), Schicksalsjahre Österreichs, online unter  <https://www.bohemia-online.de/index.php/bohemia/article/view/8399/12964> (25.01.2021).   
[27]Fritz Fellner (Hg.), Schicksalsjahre Österreichs: 1908 - 1919. Das politische Tagebuch Josef Redlichs (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte 39, Bd. I 1908-1914 /Graz/Köln 1953).
[28] Fritz Fellner (Hg.), Schicksalsjahre Österreichs: 1908 - 1919. Das politische Tagebuch Josef Redlichs (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte 40, Bd. II 1915-1919 /Graz/Köln 1954).
[29] Fellner, Corradini (Hg.), Schicksalsjahre Österreichs, Bde. I-III.
[30] Helga Fußgänger (Hg.), Briefwechsel - Hugo von Hofmannsthal, Josef Redlich (Frankfurt am Main 1971).
[31] Werner Volke (Hg.), Briefe an Irene und Paul Hellmann. In: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft, internationales Organ für neuere deutsche Literatur 11 (Berlin/Boston/Stuttgart/Göttingen/München 1967),170.
[32] Fritz Fellner (Hg.), Dichter und Gelehrter: Hermann Bahr und Josef Redlich in ihren Briefen 1896 - 1934 (Quellen zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts), Bd. 2 (Salzburg 1980).
[33] Ursula Prutsch, Klaus Zeyringer (Hg.), Leopold von Andrian: (1875 - 1951); Korrespondenzen, Notizen, Essays, Berichte (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 97, Wien 2003).
[34] Fritz Fellner, Johannes Schober und Josef Redlich. Aus den Tagebüchern und Korrespondenzen 1/2. In: Erika Weinzierl (Hg.), Zeitgeschichte 4, H. 9-12 (Wien/Salzburg 1977), 305-319 (1), 367-384 (2).
[35] Fritz Fellner, Aus der Denkwelt eines kaiserlichen Botschafters a. D. Die Briefe des Grafen Monts an Josef Redlich aus den Jahren 1914/15. In: Festschrift für Richard Blaas, Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31(im Folgenden zit. als MÖStA) (Wien 1978), 387–401.
[36] Josef Redlich, Nachlass Josef Redlich: 1869-1936, Österreichische Nationalbibliothek, Lebensdokumente, Korrespondenzen, Tagebücher, Photographien, Sammlung von Handschriften und alten Drucken (HAN), online unter (25.02.2021).
[37] Doris A. Corradini, Between Scholarship and Politics: Josef Redlich and the United States of America. In: Waldemar Zacharasiewicz, David Staines (eds.), Narratives of Encounters in the North Atlantic Triangle (Wien 2015), 145–158.
[38] Fritz Fellner, Heidrun Maschl, Brigitte Mazohl-Wallnig (Hg.), Vom Dreibund zum Völkerbund. Studien zur Geschichte der internationalen Beziehungen 1882-1919 (Wien 1994).
[39] Benedikt Heinrich, Die Friedensaktion der Meinlgruppe 1917/18: die Bemühungen um einen Verständigungsfrieden nach Dokumenten, Aktenstücken und Briefen (Graz, Köln 1962).
[40] Fredrik Lindström, Empire and Identity: Biographies of the Austrian State Problem in the Late Habsburg Empire (West Lafayette, Ind. 2008).
[41] Amy Ng, Nationalism and Political Liberty: Redlich, Namier, and the Crisis of Empire (Oxford 2004).
[42] Hans P. Hye, „Josef Redlich“ - ein österreichischer Historiker aus den böhmischen Ländern. In: Michael Neumüller (Hg.), Acta Universitatis Purkynianae, Slavogermanica VI, Teil 2 der Reihe Die Böhmischen Länder in der deutschen Geschichtsschreibung seit dem Jahre 1848. Vorträge des 3. Aussiger Kolloquiums des Instituts für slawisch-germanische Forschung an der J.E. Purkyně-Universität in Aussig, des Archivs der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik in Prag, des Instituts für deutsche und österreichische Studien an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Karlsuniversität Prag und des Museums der Stadt Aussig, vom 25. bis 26. April 1996 (Üsti nad Labem 1997), 51–79.
[43] Diethild Harrington-Müller, Der Fortschrittsklub im Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrats: 1873-1910, hg. von der Kommission für die Geschichte der Habsburgermonarchie an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Studien zur Geschichte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie 11 (Wien/Köln/Graz 1972).
[44] Brigitte Pakes, Beiträge zur Geschichte des Lehrkörpers der Juridischen Fakultät der Universität Wien zwischen 1918 und 1938 (Diss. Universität Wien 1981).
[45] Susanne Schober-Bendixen, Die Tuch-Redlichs: Geschichte einer jüdischen Fabrikantenfamilie (Wien 2018).
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